Symbolbild der Bernadette Soubirous. Junge Frau mit blauem Schleier.

Bernadette Soubirous

Die Seherin von Lourdes

Sie wurde nur 35 Jahre alt und gehört doch zu den eindrücklichsten Heiligenlegenden des 19. und 20. Jahrhunderts: Bernadette Soubirous, deren Geschichte auf immer verknüpft sein wird mit einem der wichtigsten europäischen Wallfahrtsort der Marienverehrung der katholischen Kirche - Lourdes.

Eine Jugend voller Prüfungen

Ihr Leben war gezeichnet von Armut, Krankheit, Anfeindungen und Entwurzelung. Durch all dies ging sie in großer Demut und siller Stärke hindurch. So wurde das Mädchen aus einfachen Verhältnissen zur Krankenpflegerin und Ordensschwester - vor allem aber zur »Seherin von Lourdes«. 

Im Jahr 1844 in eine einfach Müllersfamilie im französischen Lourdes geboren, konnte Bernadette nie zur Schule gehen und sprach in ihrer Kindheit nur den lokal üblichen Dialekt anstelle der französischen Hochsprache. Da der Vater die Mühle nicht halten konnte und später als Tagelöhner arbeitete, musste die Familie mehrere Male umziehen.

Auch Bernadette war gezwungen, zum Broterwerb beizutragen. Schon als junges Mädchen erkrankte sie an schwerem Asthma und Cholera, womit sie Zeit ihres Lebens zu kämpfen hatte. Der einzige Zugang zu Bildung für das Mädchen war der Katechismusunterricht durch eine Amme.

Von der Seherin zur Ordensschwester

Vor diesem Hintergrund geschieht, was das Leben des einfachen Mädchens vom Land nachhaltig verändern wird: Vom Februar bis Juli 1858 erscheint Bernadette insgesamt 18 Mal eine Frau, die ein weißes Kleid, einen weißen Schleier, einen blauen Gürtel und auf jedem Fuß eine gelbe Rose trägt und sich in einer der letzten Erscheinungen mit dem im lokalen Dialekt überlieferten Satz »Que soy era Immaculada Councepciou!« (Ich bin die Unbefleckte Empfängnis) als Maria zu erkennen gibt.

Bis dahin bezeichnete Bernadette die nur für sie sichtbare Erscheinung, die zu Buße und Umkehr aufrief, als »Dame«. Dieser Satz überzeugt endlich den Priester des Ortes, da Bernadette zu diesem Zeitpunkt nicht wissen konnte, dass Papst Pius IX. die Unbefleckte Empfängnis der Maria zum Dogma erklärt hatte.

Obwohl von Mal zu Mal mehr Menschen die junge Frau zur Grotte von Massabielle bei Lourdes begleiten, ist sie Anfeindungen, Verboten, Zweifen und sogar der Androhung von Gefängnis ausgesetzt. Doch sie verspürt einen unwiderstehlichen Drang, der sie immer wieder zur Grotte zurückkehren lässt.

Eine Quelle wird zum Pilgerort

Auf Geheiß der Marienerscheinung lässt Bernadette eine Quelle entspringen, in der es noch zu ihren Lebzeiten mehrere Heilungen gegeben haben soll. Der örtliche Priester lässt eine Kapelle errichten und die Grotte von Lourdes wird zu einem Pilgerort, der bis heute nichts von seiner Anziehungskraft für Gläubige aus aller Welt verloren hat.

Bernadette Soubirous war von da an bis zu ihrem Tod durch Knochentuberkulose im Jahr 1879 Ordensschwester in einem Kloster in Nevers fernab ihrer Heimat und kehrte nie mehr zum Ort der Erscheinungen zurück. Zurückgezogen pflegte sie Kranke und Schwache und sah sich als Werkzeug der Maria. Sie hatte ihren Auftrag in dieser Welt erfüllt. Sie wurde nur 35 Jahre alt.  

Bernadette Soubirous ging ihren oft schweren Weg, äußeren Widerständen zum Trotz, aus einem einfachen, tief verwurzelten und dienenden Glauben heraus. Dies macht sie zu einer starken Frau, die auch heute noch zum Vorbild werden kann. 

Die heilige Bernadette Soubirous

Bernadette Soubirous wurde am 8. Dezember 1933 von Papst Pius XI. in Rom heilig gesprochen. Ihr Gedenktag wird am 16. April gefeiert. Die römisch-katholische Kirche hat bisher 68 übernatürliche Heilungen um den Pilgerort anerkannt. 

Seit ihrer Seligsprechung im Jahr 1925 befindet sich ihr Leib, von dünnen Wachsmasken bedeckt und für Besucher und Gläubige sichtbar, im Kloster Saint Gildard in Nevers in einem Glasschrein.