Fünf unterschiedliche große gusseiserne Glocken, von denen mindestens zwei schwingen.

Glocken

Brauchtum und Entstehung

Die Glocken sind aus christlichen Kirchen nicht wegzudenken und blicken auf eine fünftausendjährige Geschichte zurück. Sie gelten als Symbol für die Verkündung der christlichen Botschaft und werden auch heute noch im christliche Gottesdienst eingesetzt.

Ursprung der Glocke

Die Wurzeln der Glocke liegen ungefähr 5000 Jahre zurück und sind in China zu verorten. Anfangs nutzte man Klingsteine und später dann Frucht- und Klangschalen, aus denen sich mit der Zeit die Glocken entwickelten. In der Kulturgeschichte gelten Glocken sogar als die ältesten Musikinstrumente, die vor allem bei kultischen und religiösen Handlungen und Riten eine wichtige Rolle spielten.

Glocken im Christentum

Im 4. oder 5. Jahrhundert tauchten die Glocken dann allmählich im Christentum auf. In den Gottesdienst wurden sie vermutlich von den Bischöfen Severus von Neapel, Paulinus von Nola und dem Kirchenvater Hieronymus eingeführt.

Im Christentum fungierte die Glocke dabei nicht nur als akustisches Symbol für die Verkündigung der christlichen Botschaft, sondern sie hatte auch eine praktische Bedeutung. So war es in Mönchsgemeinschaften des frühen Christentums üblich, dass die Glocke zu den sieben Gebetszeiten läutete und somit den Tag strukturierte. Dieser Brauch dehnte sich schließlich auf die gesamte christliche Gemeinde aus. Glocken dienen also dazu, den Tag der Gläubigen zu gliedern und sie zum gemeinsamen Gebet zu versammeln.

Aufgrund der Religionsfreiheit in Deutschland steht das sakrale Glockenläuten unter rechtlichem Schutz.

Funktionen von Glocken

Im kirchlichen Zusammenhang hatten bzw. haben Glocken verschiedene Funktionen:

  • als Schandglocke Verurteilten zur Hinrichtung
  • als Totenglocke zum Begräbnis
  • als Betglocke zum Zeichen beginnender Gottesdienste/Gebete
  • als Handglocken und Schellen, die zum Markieren bestimmter Stellen in der christichen Liturgie Verwendung finden (bspw. zum Läuten während des eucharistischen Hochgebets)

Durch ihre Verbreitung bekam die Glocke auch im Laufe der Zeit eine liturgische Funktion zugesprochen, welche besonders in der zeremoniellen Segnung (Glockenweihe) sowie durch Formen der Salbung (Glockentaufe) Ausdruck fand.

Aber auch außerhalb der kirchlichen Ordnung war die Glocke den Menschen dienlich, so unter anderem als Zeitgeber sowie als Sturmglocke, die vor nahender Gefahr und Unwetter warnte.

Anlässe zum Glockenläuten

Gebets- und Gedächtnisläuten

Das Gebetsläuten zu den Tageszeiten ist auf die Stundengebete der Klöster zurückzuführen. Heutzutage wird sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Kirche morgens, mittags und abends geläutet. Dabei nennt sich das Gebetsläuten in der katholischen Gemeinde »Angelusläuten« und beruht auf dem Angelusgebet, welches zu den drei Tageszeiten gebetet wird.

In der evangelischen Kirche dagegen steht das sogenannte »Betzeitleuten« für das Vaterunsergebet. Hierfür wird die Betglocke entweder geläutet oder durch den Schlaghammer angeschlagen. Es handelt sich hier meist um sieben Schläge, die die sieben Bitten des Vaterunsers symbolisieren.

Das Gedächtnisläuten in der heiligen Woche erfolgt in der evangelischen Kirche am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag, wobei das Läuten am Karfreitag je nach Region unterschiedlich sein kann. Es erklingen jedoch maximal drei Glocken zu Gedenken des Leidens und Sterbens Jesu.

  • 9 Uhr: Kreuzigung (»Kreuzigungsläuten«)
  • 11 Uhr: Leiden Jesu (»Herz-Jesu-Läuten«)
  • 15 Uhr: Sterbestunde Jesu (»Schiedläuten«)
  • 16 Uhr: Kreuzabnahme

Mancherorts hat sich das 15-Uhr Läuten bis heute gehalten. Häufig wird dann das Glockenläuten bis zum Ostersonntag unterlassen. Das 11- und 16-Uhr Läuten ist heutzutage dafür eher selten.

In der katholischen Kirche läuft es etwas anders. Hier wird zum Gloria der Messe vom Letzten Abendmahl am Gründonnerstag das letzte Mal geläutet. Bis zum Gloria der Feier der Osternacht erklingt das Kirchengeläut dann nicht mehr. Und am Karfreitag und Karsamstag werden statt Glocken dann traditionell eher Ratschen oder Kleppern gebraucht.

Läuten zum Gottesdienst

In der Regel richtet sich das eingesetzte Geläut nach der Art des Gottesdienstes, Tages oder auch Kirchenjahreszeit. Dabei wird in vielen Gemeinden beim Läuten zwischen Gottesdienst am Sonn- oder Feiertag und an Wochentagen unterschieden, d.h. es existieren verschiedene Läutezeichen zum Gottesdienst.

Zum einen gibt es das »Einläuten«, welches üblicherweise am Vorabend des jeweiligen Sonntags und Hochfestes ertönt. Üblicherweise findet das Einläuten um 18 Uhr statt, doch die Uhrzeit ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Wochentage werden dagegen nie eingeläutet.

Das »Vorläuten« erklingt vor dem eigentlichen Hauptläuten des Gottesdienstes und ist meist 60 Minuten, 30 Minuten oder 15 Minuten vor Beginn zu hören. Es findet jedoch nur statt, wenn der Anlass auch entsprechend wichtig ist.

Das sogenannte »Haupt- oder Zusammenläuten« ist üblicherweise das letzte Glockenzeichen vor Beginn des Gottesdienstes. Es ertönt meist mit einer größeren Gruppe von Glocken oder dem Vollgeläut. Auch hier ist der Zeitpunkt des Geläuts wieder gemeindeabhängig, allerdings ertönt es häufig zwischen 15 und 3 Minuten vor Anfang des Gottesdienstes.

Schließlich gibt es noch das »Ausläuten«, welches in der katholischen Gemeinde eher weniger vorkommt. Das Ausläuten erklingt nach dem Orgelnachspiel. Und obwohl das Ausläuten vor allem in der evangelischen Kirche verbreitet ist, erklingt es bei beiden Konfessionen in der Regel am Ende des Trauungsgottesdienstes.

Läuten während des Gottesdienstes

Auch während des Gottesdienstes ertönen die Kirchenglocken. So erklingt in einigen katholischen Gemeinden beispielsweise eine einzelne Glocke während der Lesung aus dem Evangelium. Zur Wandlung werden in der katholischen Kirche aber in der Regel Altarschellen oder der Altargong geläutet. Je nach Region kann allerdings auch eine einzelne Glocke des Geläuts mit einbezogen werden.

Bei Festgottesdiensten kann es dagegen häufiger vorkommen, dass ein Läuten zu hören ist. So ertönt das Vollgeläut oft am Ende eines solchen Gottesdienstes. Und zu besonderen Anlässen, wie beispielsweise dem Taufakt oder der Beisetzung, erklingen entsprechend auch besondere Glocken: die Taufglocke und Sterbe-/Totenglocke.

Weltliche Anlässe zum Glockenläuten

Doch nicht alle Glocken läuten aus liturgischen Gründen. Es gibt auch verschiedene weltliche Anlässe, für die das Glockengeläut ertönt. Zum einen das Feuer-, Sturm- oder Alarmläuten, bei dem der Klöppel schnell an die Seite der Glocke geschlagen wird. Dieses Glockenläuten warnt vor Gefahr. Auch ein profanes Glockenläuten ist das Marktläuten, bei dem eine bestimmte Glocke zum Wochenmarkt läutet. Außerdem findet jedes Jahr das sogenannte »Neujahrsläuten« statt, welches in der Regel am 31. Dezember um 24 Uhr beginnt und zwischen 10 Minuten und einer Stunde andauert und das neue Jahr einläutet.

Uhrschlag

Der Uhrschlag findet seinen Ursprung in der Zeit des Mittelalters, als die Menschen noch keine Uhren besaßen und somit auf die Kirchenglocken als Zeitgeber angewiesen waren. Im Gegensatz zum Geläut wird beim Uhrschlag jedoch mit einem Hammer auf die Glocke geschlagen und dies meist zu jeder vollen Stunde, teilweise auch jede Viertelstunde.

Anders als beim Glockenläuten ist das Läuten aus nicht-sakralen Gründen rechtlich nicht geschützt, sondern gilt als Umwelteinwirkung und wird entsprechend im Immissionsschutzgesetz geregelt. So ist den Kirchenglocken oftmals aufgrund von Ruhestörung durch Lärmbelästigung ist der nächtliche Uhrschlag untersagt. Dies ist aber von Ortschaft zu Ortschaft unterschiedlich.

Glockenbezeichnungen

Ihren Namen erhalten die Glocken entweder aufgrund ihrer Funktion oder werden nach ihren Stiftern oder nach den Heiligen, denen sie gewidmet sind, benannt. Besondere Glockennamen sind dabei beispielsweise »Gloriosa« (lat. »die Ruhmreiche«) - eine Festtagsglocke, die ausschließlich zu Hochfesten läutet - und »Dominica« (lat. »die dem Herrn gehörende«), eine Sonntagsglocke.

Die schwerste Glocke Deutschlands ist aktuell die Petersglocke des Kölner Domgeläuts. Bis 2016 galt sie mit ihren 24.000 kg und einem Durchmesser von 322 cm als größte am geraden Joch schwingend läutende Glocke der Welt.

 

Quellen