Hochaltar, dessen Mittelteil mit einem violettem Fastentuch abgedeckt ist. Der Altar ist mit kunstvollen Säulen, Figuren und Ornamenten gestaltet.

Fastentücher - Ihre Herkunft und Bedeutung

Was sind Fastentücher und woher kommen sie?

Das Fastentuch (auch als Fastenvelum, Hungertuch, Palmtuch, Passionstuch oder Schmachtlappen bezeichnet) hat den Zweck während der Fastenzeit in katholischen Kirchenhäusern die bildlichen Darstellungen Jesu (Kruzifix) zu verhüllen. Sein Ursprung liegt vermutlich im jüdischen Tempelvorhang begründet, der im Neuen Testament im Zusammenhang mit dem Kreuzestod Jesu mehrfach erwähnt wird.

Die frühesten Erwähnungen vom Brauch, ein Fastentuch vor dem Altar aufzuhängen, finden sich bereits im 9. Jahrhundert. Meist hing es im Chorbogen der Kirche vor dem Hauptaltar und verhüllte diesen. Oftmals war es zweigeteilt und konnte so zur Seite gezogen werden.

Üblicherweise ist das Fastentuch ein schlichtes oder in Weißstickerei gefertigtes, auch mit biblischen Motiven versehenes Tuch. Die Darstellungen reichen von der Heilsgeschichte (Schöpfung bis Weltende) über Tier- und Pflanzenabbildungen bis hin zu ganz außergewöhnlichen Motiven.

Wissenswertes zur Fastenzeit

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Mit einem violetten Fastentuch überhangenes Kreuz, vor einem in Goldtönen gehaltem Hochaltar. Das Tuch ist mit florale Ornamenten und einem Goldenem Kreuz verzirrt.

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Schlichtes Holzkreuz, Rosenkranz, violettes Tuch, halber Brotlaib und Wasser, Bargeld (5€-Scheine, 1€-Münze),

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Wann werden Fastentücher aufgehängt?

Das Fastentuch wird in der Regel am Aschermittwoch im Chorraum der Kirche (darum der lateinische Name »velum quadragesimale« oder »velum templi«, was mit »Tuch der 40 Tage« bzw. mit Tempelvorhang übersetzt wird) aufgehängt. Am Karsamstag wird das Tuch wieder entfernt und der Altar enthüllt. Früher war es üblich, das Fastentuch bis zum Komplet am Karmittwoch hängen zu lassen. In manchen Kirchen ist mitunter üblich, das Fastentuch nicht während des gesamten Fastenzeit, sondern erst ein bis zwei Wochen vor Ostern aufzuhängen.

Im Mittelalter gab es den Brauch, dass an den Sonntagen der Fastenzeit das Fastentuch vor dem Hauptalter geöffnet wurde, nicht aber die Fastentücher vor den Seitenaltären. Dahingegen wurde an den Wochentagen das Fastentuch auch vor dem Hauptaltar nicht zurückgezogen.

Schließlich werden ab dem 5. Sonntag der Fastenzeit (»Passionssonntag«) die Kreuze und Standbilder durch violette Tücher verhüllt. Die Türen/Flügel (Retabeln) von Triptychen und Flügelaltären sind in der Fastenzeit häufig zugeklappt und zeigen nur die einfacher gestaltete Rückseite der Flügel.

Warum wird das Kreuz verhüllt?

Durch diese Tradition wird dem sich anschließenden Osterfest ein noch stärkerer Glanz verliehen. Die Abnahme des Fastentuchs vor der Osternacht soll zeigen, dass Jesus wieder unverhüllt in seiner Göttlichkeit vor den Menschen steht und er den Himmel für diese geöffnet hat.

Warum gibt es Fastentücher?

Die Altarverhüllung in der Fastenzeit ist eine Bußübung der Gläubigen. So hatte das Fastentuch ursprünglich die Funktion, die Gemeinde optisch vom Altarraum zu trennen (vergleichbar mit der Ikonostase in der Ostkirche). Auf diese Weise war es den Gläubigen nur möglich, das Geschehen des Gottesdienstes hörend zu verfolgen. Es wurde also mit den Augen gefastet. Hierauf geht die alte Redewendung »am Hungertuch nagen« zurück und bezieht sich somit nicht nur auf materielle Armut, sondern auch auf die optisch erzwungene scheinbare Gottferne.

Das Brauchtum des Fastentuchs verweist zudem auf eine äußerlich sichtbare Unwürdigkeit der Gläubigen während der Fastenzeit, die Verhüllung der Gottheit Christi während seines Leidens und die Parallele zum Tempelvorhang, welcher beim Sterben Christi am Kreuz der Überlieferung zufolge zerriss und damit schon auf die Befreiung Jesu von den Fesseln des Todes hindeutet.

Aktuell haben vor allem die Fasten- bzw. Hungertücher, die das katholische Hilfswerk Misereor herausgibt, eine weite Verbreitung in den deutschen Pfarreien gefunden. Auch in immer mehr christlichen Haushalten werden diese Hungertücher aufgehängt.

Quellen