Georg Friedrich Händel

Georg Friedrich Händel

Von Halle in die Welt

Georg Friedrich Händel zählt neben Bach zu den größten Komponisten des Barock. Erfahren Sie in diesem Artikel mehr über sein spannendes Leben und seine großartigen Werke.

Halle – Kindheit & Jugend

Georg Friedrich Händel wurde am 23. Februar des Jahres 1685 in der Großen Nikolaistraße 5 in Halle an der Saale geboren. Das Geburtshaus »Zum gelben Hirsch« kann heute als sogenanntes Händel-Haus besucht werden. Im Gegensatz zu Bach stammte Händel nicht aus einer Musikerfamilie. Sein Vater Georg Händel war ein hoch angesehener Wundarzt, welcher auch als Leibchirurg des Herzogs August von Sachsen-Weißenfels fungierte. Seine zweite Frau, Händels Mutter, war die Pfarrerstochter Dorothea Taust.

Viel ist nicht über die Kindheit des berühmten Musikers bekannt. Es wird angenommen, dass der junge Händel bereits im Alter von sechs Jahren das Clavicordspiel erlernte. Sein Vater war von den musikalischen Ambitionen seines Sohnes weniger begeistert – wünschte sich dieser doch, dass Georg Friedrich als Erwachsener einem »ehrbareren« Beruf, genauer dem des Juristen, nachginge. Seine Mutter hingegen unterstützte ihn in seiner Liebe zur Musik.

Das musikalische Talent des jungen Händel wurde schließlich von Herzog Johann Adolf I. erkannt, als dieser ihn in Weißenfels beim Orgelspiel hörte. Er überzeugte den Vater davon seinem Sohn den Weg des Musikers zu ermöglichen. So erhielt Händel Unterricht bei dem bekannten Organisten der Hallenser Marktkirche, Friedrich Wilhelm Zachow. Dieser bildete den Jungen nicht nur im Orgelspiel aus, sondern auch im Umgang mit verschiedenen anderen Instrumenten – unter anderem dem Cembalo, der Violine und der Oboe.

Händels Vater verstarb 1697 – ein schmerzlicher Verlust, der Georg Friedrich einige Jahre später dazu animierte dessen Wunsch doch noch nachzukommen. Daher immatrikulierte er sich am 10. Februar 1702 für ein Jurastudium an der noch jungen Hallischen Universität. Doch kaum einen Monat später hatte ihn die Musik wieder ganz für sich vereinnahmt, als er eine Stelle als Organist in der Dom- und Schlosskirche von Halle annahm. Dies ermöglichte ihm zugleich eine finanzielle Unabhängigkeit.

Hamburg – Opern & Duelle

Doch sein Dasein als Organist zu fristen, war nicht Händels Traum. Nachdem sein Vertrag am Hallenser Dom nach einem Jahr auslief, machte er sich deshalb auf den Weg nach Hamburg. Denn dort wurde am Gänsemarkt einige Jahre zuvor (1678) das erste deutsche Opernhaus eröffnet. In dessen Orchester spielte der junge Komponist Geige und Cembalo. Zu dieser Zeit freundete er sich auch mit dem Sänger und Musiker Johann Mattheson an, welcher ihm half in der Hansestadt Kontakte zu knüpfen. Doch bereits 1704 stieg die Rivalität zwischen den beiden Künstlern immer mehr an – bis sie am 5. Dezember des selben Jahres eskalierte. Während der Aufführung von Mattehesons Oper »Cleopatra« weigerte sich Händel, diesem dem Platz am Cembalo zu überlassen. Es kam zum Streit. Im Zuge dessen, wahrscheinlich angestachelt durch die Schaulustigen im Publikum, kommt es zu einem Duell auf dem Gänsemarkt. Nur einem breiten Metallknopf seines Rockes, an dem der Degen Matthesons abprallte, verdankte Händel es, dass er diesen Disput überlebte. Zwar versöhnten sich die Musiker später wieder, aber ihre Beziehung kühlte merklich ab.

Musikalisch kam Georg Friedrich Händel in Hamburg weiter voran. Am 8. Juni 1705 wurde seine erste Oper »Almira« uraufgeführt und als großer Erfolg gefeiert. Es folgen bis zum Sommer 1706 die Opern »Nero«, »Daphne« und »Florindo«. Langsam erkannte Händel, dass er um wirklich meisterhafte Opern zu komponieren, in ihr Ursprungsland reisen muss. So folgte er schließlich einer Einladung Gian Gastone de Medicis nach Rom.

Italien – Lehr- und Reisejahre

Als Händel schließlich im Sommer 1706 in der Ewigen Stadt eintraf, musste er ernüchtert feststellen, dass der Papst dort die Aufführung von Opern verboten hatte. Doch der Komponist blieb flexibel. Er komponierte Kantaten, Oratorien, private Konzerte für seine Mäzene und später auch lateinische Kirchenmusik. Im Januar des Folgejahres machte der junge Mann, den man in Italien meist nur »Il Sassone« (der Sachse) nannte, mit einem vielbeachteten Orgelkonzert in der berühmten Basilika San Giovanni in Laterano von sich reden. Er war nun vollständig in Rom angekommen.

Sein auch international wachsender Ruhm erlaubte es ihm, sich mit den bekanntesten Musikern seiner Zeit auszutauschen. So machte er unter anderem Bekanntschaft mit Arcangelo Corelli und den Brüdern Scarlatti.

Später reiste Händel noch nach Venedig und Florenz, wo er seine ersten italienischen Opern »Rodrigo« (1707) und »Agrippina« schrieb. Letztere kam 1709 in Venedig zur Uraufführung, da dort das päpstliche Opernverbot nicht galt. Der große Erfolg dieses Werkes begründete gleichzeitig Händels ganz eigenen Opernstil. Seine Lehr- und Reisejahre in Italien dauerten noch bis 1710 an, dann zog der inzwischen 25-jährige Komponist weiter.

Hannover – Ein kurzes Intermezzo

In Venedig erreichte Georg Friedrich Händel das Angebot als Nachfolger von Agostino Steffani Hofkapellmeister am Hofe von Georg Ludwig von Hannover zu werden. Diese Stelle trat er im Juni 1710 auch an – inklusive eines üppigen Gehalts und einer großzügigen Reiseerlaubnis. Im Vertrag hieß es tatsächlich: »Er kann, wenn er es verlange, auf zwölf Monate oder länger, verreisen, wohin er wolle.«

Da Händel sich in seinem musikalischen Schaffen in Hannover bald eingeschränkt fühlte, machte er von diesem Privileg recht schnell Gebrauch. Bereits zum Ende des selben Jahres reiste er nach London, da ihn das kulturelle Leben Englands mit seinen aufklärerischen Ideen von Newton und Locke faszinierte. Dort machte der Musiker auch die Bekanntschaft von John Heidegger, dem Direktor des Queen’s Theatre am Haymarket. Hier kam es schließlich 1711 auch endlich zur Uraufführung seiner in Italien geschriebenen Oper »Rodrigo«, welche zu einem seiner größten Erfolge wurde.

Im Sommer kehrte Händel zwar noch einmal nach Hannover zurück, doch war sein Entschluss, sein restliches Leben in England zu verbringen, bereits gefallen. Im Oktober 1712 siedelte er dann endgültig nach London, wo er von Reisen abgesehen bis zu seinem Tod wohnte.

London – Händels zweite Heimat

Lange musste der hannoversche Kurfürst allerdings nicht auf Händel verzichten, denn als die britische Königin Anne kinderlos verstirbt, bestieg Georg Ludwig von Hannover 1714 als König George I. den Thron Englands. Als solcher stellte er den Komponisten unverzüglich wieder in seinen Dienst. Seinen alten, nun neuen Dienstherrn begeisterte Händel im Juli 1717 mit seiner berühmten »Wassermusik«, bei welcher mehrere Orchester auf Booten spielten, während der König auf der Themse fuhr und die Festgesellschaft an den Ufern flanierte. Daraufhin wurde sein Gehalt verdoppelt und er wurde zum Musiklehrer der Prinzessinnen ernannt.

Im Winter des Jahres 1718 entstand die »Königliche Musikakademie« – ein zur Aufführung italienischer Opern gegründetes Aktienunternehmen, an welchem sich selbst das Königshaus jährlich mit der großzügigen Summe von 1.000 Pfund beteiligte. Händel wurde als deren Musikdirektor eingesetzt. Damit hatte der sächsische Komponist alle Hände voll zu tun, da er nebenbei auch noch die Werke für die Festlichkeiten bei Hofe komponierte. In dieser Zeit entstanden unter anderem die Opern »Radamisto« (1729), »Giulio Cesare in Egitto« (1724) und »Tamerlano« (1724). Die anfangs sehr erfolgreiche Institution geriet später, aufgrund der hohen Gehaltskosten für die Künstler und der immer bedeutender werdenden Volksoper, zusehends in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Dies führte schließlich zu deren Auflösung im Jahre 1728. Zwei Versuche eines neuen königlichen Opernunternehmens zwischen 1729 und 1737 endeten im Bankrott. Dies wirkte sich auch auf Händels Gesundheit aus – im Frühjahr 1737 erlitt der inzwischen 52-jährige einen schweren Schlaganfall, welcher ihn zu einem längeren Kuraufenthalt zwang.

Händels Passion für die Oper erlosch in den folgenden Jahren zusehends, stattdessen richtete er seinen Fokus auf die Kunstform des Oratoriums. Es entstanden die Werke »Saul« (1738), »Israel in Egypt« (1738) und »Concerti grossi« (1739). 1741 komponierte Händel schließlich in einem Schaffensrausch innerhalb von 23 Tagen sein bekanntestes Werk – das Oratorium »Messiah«. Die Uraufführung dieser Großkomposition fand im Rahmen einer Wohltätigkeitsveranstaltung für Schuldgefangene und Armenkrankenhäuser in Dublin statt. Seitdem achtete Händel stets darauf, dass die Erlöse seiner beliebtesten Werke armen und notleidenden Menschen zugute kamen.

Bis ins Jahr 1752 legte Händel seinen Schwerpunkt auf ein bis zwei neue Oratorien im Jahr, meistens mit alt-testamentarischen Themen. Anlässlich der Feierlichkeiten zum Ende des österreichischen Erbfolgekrieges 1749 komponierte Händel seine berühmte »Feuerwerksmusik«.

Ab 1751 begann Händel immer mehr zu erblinden. Trotz mehrerer Augenoperationen, denen er sich unterzog, erlangte er seine Sehkraft nicht wieder und war im Sommer 1752 praktisch blind. Dies hinderte den Komponisten allerdings nicht daran, weiterhin als Organist und Dirigent seine Aufführungen zu leiten. Noch eine Woche vor seinem Tod spielte er bei einer Aufführung seines »Messiah« selbst die Orgel.

Am 14. April 1759, dem Karsamstag, verstarb Georg Friedrich Händel als wohlhabender und hochgeehrter Mann in seiner Londoner Wohnung. Als Zeichen der Anerkennung erhielt er eine der größten Ehren, die Großbritannien zu vergeben hat: Er wurde seinem Wunsch gemäß in Westminster Abbey beigesetzt.

In einer seiner wenigen erhaltenen Notizen findet sich folgender Satz:

»Mag schwinden das Leben, mag nahen der Tod. Wir können nicht sinken, denn der Helfer ist Gott.«

 

Was komponierte Georg Friedrich Händel?

(Auswahl)

Opern:

  • »Almira« (1705)

  • »Rodrigo« (1707)

  • »Guilio Cesare in Egitto« (1724)

  • »Rodelinda, Regina de`Langobardi« (1725)

  • »Alcina« (1735)

  • »Serse« (1738)

  • »Deidamia« (1741)

Oratorien:

  • »Israel in Egypt« (1738)

  • »Saul« (1738)

  • »Messiah« (1741)

  • »Dettinger Te Deum« (1743)

  • »Jephta« (1752)

  • »The triumph of time and truth« (1757)

Orchesterwerke:

  • »Concerti grossi op.6« (1739)

  • »Wassermusik« (1717)

  • »Feuerwerksmusik« (1749)

Kammermusik:

  • »Solosonaten op.1«, HWV 359-373, 379 (1712–1726)

  • »Triosonaten op.5«, HWV 396 – 402 (1739);

Klaviermusik:

  • erste Sammlung »Suites de pièces pour le clavecin« (1720)

  • zweite, gleichnamige Sammlung (1733)

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