Außenansicht der Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt des Zisterzienserklosters Neuzelle.

Kloster Neuzelle

Die prachtvolle Perle des Barock

Südlich von Frankfurt/Oder und unweit der deutsch-polnischen Grenze liegt eine Klosteranlage, welche mit ihrer barocken Pracht ihresgleichen sucht. Das Kloster Neuzelle im gleichnamigen Ort ist eine der wenigen vollständig erhaltenen Klosteranlagen Europas. Zudem ist Neuzelle das größte Barockdenkmal Nord- und Ostdeutschlands.

Die Geschichte des Klosters Neuzelle

Wer sind die Zisterzienser?

Zisterzienser und Zisterzienserinnen sind Mönche und Nonnen, die ein einfaches Leben des Gebets, der Lesung und der Arbeit leben. Der Zisterzienserorden (lat. Ordo Cisterciensis, Ordenskürzel: OCist) wurde im Jahr 1098 von Robert von Molesme im französischen Cîteaux gegründet.

Robert von Molesme war eigentlich Abt der Benediktinerabtei Cluny. Er störte sich jedoch daran, dass die Mönche von Cluny die benediktinischen Regeln vernachlässigten und ihnen die einfache und bescheidene Lebensweise abhandengekommen war. Aus diesem Grund gründete er mit einigen reformwilligen Benediktinern in Cîteaux ein neues Kloster, in welchem die Mönche nach der Ordensregel des heiligen Benedikt von Nursia (»Regula Benedicti«) lebten. Nachdem der heilige Bernhard von Cîteaux im Jahr 1113 n euer Abt des Klosters von Cîteaux wurde, wurden schnell mehrere Tochterklöster gegründet und der neue Orden der Zisterzienser breitete sich schnell in ganz Europa aus.

Die Zisterzienser sind ein kontemplativer Orden. Im Vordergrund steht neben der Suche nach Gott auch die Arbeit im sozialen und kulturellen Bereich. Viele Klöster betreiben Schulen, Werkstätten und Landwirtschaft.

Das Erkennungszeichen des Zisterzienserordens ist der weiße Habit mit schwarzem Skapulier und schwarzer Kapuze.

Vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit

Die Geschichte von Neuzelle reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1286 stiftete Heinrich III., Markgraf von Meißen, das Kloster, im Gedenken an seine kurz zuvor verstorbene Ehefrau, als Ausgründung der sächsischen Zisterzienserabtei Cella bzw. Altcella.

Die Klostergebäude wurden zwischen 1300 und 1330 errichtet, die erste Kirche im Stil der Backsteingotik wurde um das Jahr 1309 geweiht.

Hussitenkriege und Reformation

1429 wurde das Kloster während der Hussitenkriege zerstört, als Anhänger des Reformators Jan Hus in die Abtei eindrangen, glaubenstreue Mönche ermordeten und die Gebäude schwer beschädigten. Das Kloster wurde in den folgenden Jahren wieder aufgebaut.

Während der Umbrüche der Reformation blieb das Kloster im Gegensatz zur Landbevölkerung des Umlandes katholisch. Der folgenschwere Dreißigjährige Krieg ging auch an Neuzelle nicht spurlos vorbei: das Kloster stand zeitweise leer, da die Mönche aus Furcht vor marodierenden Heeren geflohen waren, und die Anlage wurde schwer beschädigt.

Schließlich kehrten 1650 die Mönche in die Klosteranlage zurück. In den folgenden Jahren wurde Neuzelle eine katholische Insel im protestantischen Umland, wobei das Personal und die Zisterziensermönche häufig aus Böhmen kamen. Im Zuge der Wiederaufbauarbeiten des Klosters verwandelten böhmische und italienische Künstler im 17. und 18. Jahrhundert das Innere der dreischiffigen Hallenkirche St. Marien in ein barocke Prachtstraße.

19.–21. Jahrhundert

Nach dem Anschluss des Gebiets an Preußen 1817 wurde das Kloster von König Friedrich Wilhelm III aufgelöst und die Mönche verließen Neuzelle. Im Zuge der Säkularisation wurde die Pfarrkirche »Zum heiligen Kreuz«, welche ebenfalls auf dem Klostergelände liegt, zur evangelischen Kirche umgewidmet. Die Gebäude des Stifts wurden als Waisenhaus und Lehrerseminar genutzt.

Von 1934 bis 1945 war im Kloster eine sogenannte »Nationalpolitische Erziehungsanstalt« für Mädchen untergebracht.

Nach 1945 gingen die Klostergebäude und der Grundbesitz in das staatliche Stift Neuzelle über, die Konventkirche St. Marien blieb katholisch. Seit 1947 ist Neuzelle Wallfahrtsort der Bistumswallfahrt für das Bistum Görlitz.

Zudem beherbergte das Kanzleigebäude bis 1993 eines der drei katholischen Priesterseminare der DDR. Nach dessen Schließung standen die Räumlichkeiten zum größten Teil leer.

Neuanfang in Neuzelle

Seit 1996 widmet sich die staatliche Stiftung Stift Neuzelle der Wiederherstellung und Pflege sowie dem Erhalt der denkmalgeschützten Klosteranlage und der Bewahrung des historischen Erbes des Ortes.

Neues Leben im Kloster

Pünktlich zum 750-Jahr-Jubiläums des Klosters wurden im Jahr 2018 sechs Mönche aus der Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz in Österreich entsandt, um das Kloster Neuzelle wiederzubesiedeln.

Da die Klostergebäude anderweitig genutzt werden, soll es einen Klosterneubau auf dem Gelände des Forsthaus Treppeln, einer ehemaligen Liegenschaft des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (Stasi), geben. In Anlehnung an das Neuzeller Wallfahrtslied wird das erste zisterziensische Kloster auf Brandenburger Boden seit dem Mittelalter »Maria Mutter Friedenshort« heißen.

Die Klosteranlage

Stiftskirche St. Marien

Im Mittelpunkt der Klosteranlage steht die Stiftskirche St. Marien, die mit ihrem über 70 Meter hohen Glockenturm schon von weitem sichtbar ist. Die Kirche wurde ursprünglich als dreischiffige Hallenkirche im gotischen Stil erbaut. Seit ihrem Umbau im 18. Jahrhundert ist sie mit ihrer kunstvollen Innenausstattung ein barockes Juwel. Wie alle Kirchen des Zisterzienserordens ist die Kirche der Jungfrau Maria geweiht.

Im Inneren der Kirche wird die ganze barocke Pracht deutlich. Der Weg durch das Hauptschiff zum Altar ist gesäumt mit ornamentalen und figürlichen Stuckdekorationen. Besonders sehenswert sind hier die Statuen der Zwölf Apostel. Prächtige Wand- und Deckengemälde zeigen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament.

Die Altäre der Stiftskirche

Der Gang nach Emmaus

Am Tag nach Pessach gehen zwei Jünger Jesu von Jerusalem nach Emmaus. Unterwegs unterhalten sie sich über die Ereignisse der vergangenen Tage. Da stößt ein Unbekannter zu ihnen, sie erzählen ihm vom Tod Jesu und ihren Zweifeln an der Auferstehung. Die beiden Jünger merken nicht, dass der Fremde Jesus selbst ist.

Als sie in Emmaus ankommen, laden sie den Fremden ein, mit ihnen zu essen und die Nacht bei ihnen zu verbringen. Erst als sie am Tisch sitzen, Jesus das Brot nimmt und bricht, erkennen sie den Auferstandenen. Gleich darauf verschwindet er vor ihren Augen.

 

Die Stiftskirche schmücken insgesamt zwölf Altäre. Der Hochaltar aus Stuckmarmor ist detailreich und prächtig ausgestattet. Rund um den Tabernakel stellt eine Figurengruppe das Emmaus-Geschehen dar. Das Besondere an dieser Gruppe ist, dass der Tisch für das Emmausmahl der Tabernakel selbst ist. Das Altarbild selbst zeigt Mariä Aufnahme in den Himmel.

Die elf Nebenaltäre sind verschiedenen Heiligen, der Jungfrau Maria und der Heiligen Familie geweiht. Eine Besonderheit hierbei ist der Marienaltar. Die spätgotische Madonna wird je nach Anlass im Kirchenjahr entsprechend gekleidet und geschmückt.

In der Mitte des Kirchenraums sind die Kanzel und der Taufaltar zu bewundern. Beide sind aus Holz gefertigt und vergoldet. Sie begeistern mit einer unglaublichen Fülle an Details, kunstvoll gearbeiteten biblischen Szenen und Darstellungen von Heiligen.

Blick auf die barocken Nebenaltäre der Klosterkirche Mariä Himmelfahrt des Klosters Neuzelle.
Innenansicht der Kirche mit Seitenaltären

Josephskapelle

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde an der Südseite der Kirche die Josephskapelle als eigenständiger Bau angefügt. Den sechseckigen Bau schmückt ein Altar mit einem Bild der Heiligen Familie, das von figürlichen Darstellungen biblischer Personen flankiert wird.

Die Kuppel der Kapelle ist mit herrlichen Fresken ausgestaltet. Die Bilder zeigen jeweils drei Szenen des alttestamentarischen Joseph und des neutestamentarischen Joseph, die sich gegenüberstehen. Die Gemälde zeigen den Traum Josephs im Alten Testament, wie sich die Gestirne vor ihm verneigen, und den Traum des neutestamentarischen Joseph, als ihm ein Engel erscheint und davon überzeugt, die schwangere Maria zu unterstützen und nicht zu verlassen .

Zwei weitere Fresken widmen sich der Erzählung aus dem Alten Testament, als Joseph an ägyptische Sklavenhändler verkauft wird, und der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten.

Als Abschluss zeigen die Deckengemälde wie Joseph als Statthalter von Ägypten seine Brüder empfängt und den Joseph als Schutzheiliger der weltlichen und kirchlichen Würdenträger.

Pfarrkirche »Zum Heiligen Kreuz«

Die Pfarrkirche »Zum Heiligen Kreuz« wurde Mitte des 18. Jahrhunderts am südlichen Zugang zum Klostergelände errichtet. Bis zur Auflösung der Abtei Neuzelle 1817 war die Kirche eine sogenannte »Leutekirche« für die katholischen Gläubigen. Im Zuge der Säkularisation wurde die Pfarrkirche der evangelischen Gemeinde in Neuzelle übergeben.

Die Kirche »Zum Heiligen Kreuz« ist eine hochbarocke Kreuzkuppelkirche. Sie wurde von den selben Baumeistern und Künstlern ausgestattet, die auch die Klosterkirche so kunstvoll gestaltet haben. Besonders sehenswert ist das Spiegelgewölbe mit der kunstvollen Bandelornamentik sowie das größte Deckenfresko der Niederlausitz in der mächtigen Kuppel.

Die evangelische Pfarrkirche »Zum Heiligen Kreuz« ist eine »offene Kirche«, die ausdrücklich auch außerhalb der Gottesdienstzeiten für Besucher geöffnet ist.

Kreuzgang

Der spätgotische Kreuzgang mit seinen Nebenräumen wurde zwischen 1380 und 1450 erbaut. Das beeindruckende Kreuzrippengewölbe und die Wandmalereien zeigen deutlich, wie bedeutend das Kloster Neuzelle im Spätmittelalter war.

Heute beherbergt der Kreuzgang das Museum des Klosters. Hier können wertvolle Stücke aus der Klostergeschichte bewundert werden. Auch erfährt man mehr über das religiöse und politische Zeitgeschehen von der Klostergründung über die Blütezeit bis hin zur Auflösung.

Das Museum kann im Rahmen einer Führung oder auf eigene Faust mit einem Audioguide besichtigt werden. Für Kinder gibt es einen eigenen Audioguide.

Museum »Himmlisches Theater«

Der wertvollste Schatz des Klosters kann im Museum »Himmlisches Theater« bewundert werden. Im ehemaligen Kutschstall wird die europaweit einzigartige Passionsdarstellung vom Heiligen Grab ausgestellt.

In fünfzehn Szenen, die auf fünf Bühnenbilder verteilt sind, wird das Leiden und Sterben Christi dargestellt. Die lebensgroßen, bemalten Holzskulpturen wurden vom böhmischen Künstler Joseph Felix Seifrit gestaltet und sollten die Passionsgeschichte für die Gläubigen erlebbar machen.

Bis ins 19. Jahrhundert wurden die barocken Kunstwerke während der Fastenzeit in der Kirche aufgestellt. Dann wurden sie auf dem Dachboden der Kirche eingelagert und gerieten so in Vergessenheit. 1997 wurden die Holztafeln wiederentdeckt und in mühevoller Kleinarbeit restauriert.

Seit 2015 sind im »Himmlischen Theater« zwei der imposanten Bühnenbilder mit ihren zugehörigen Szenen ausgestellt. Dazu wurde eigens ein Raum in den Weinberg des Klosters gebaut, um hier die Bilder in Originalgröße ausstellen zu können.

Ein virtueller Rundgang gibt einen Vorgeschmack auf dieses einmalige Museumserlebnis.

Klostergarten

Der barocke Klostergarten von Neuzelle ist ein besonderes Highlight. Die fünf Hektar große Parkanlage ist der einzige Barockgarten in Brandenburg und gehört zu den schönsten Gärten Deutschlands.

Im Zuge der Umgestaltung des Klosters im 17. und 18. Jahrhundert wurde der Klostergarten nach barockem Vorbild mit Wegachsen und Wasserspielen, einer Terrassenanlage und einer Orangerie angelegt.

Nach der Auflösung des Klosters wurde der Garten nicht mehr gepflegt und wurde mitunter als Sportplatz genutzt. Nun ist das historische Gartendenkmal nach Originalplänen aus dem Stiftsatlas von 1758 wiederhergestellt.

Kontakt und weiterführende Informationen

Adresse:

Kloster Neuzelle

Stiftsplatz 5
15898 Neuzelle

Telefon: (033652 ) 282

E-Mail: pfarramt@neuzelle-katholisch.de

Homepage: neuzelle-katholisch.de

 

Zisterzienserkloster Priorat Neuzelle e.V.

www.zisterzienserkloster-neuzelle.de

 

Stiftung Stift Neuzelle

www.stift-neuzelle.de

Anreise:

Auto:

Aus Richtung Berlin: A12 Berlin – Frankfurt/Oder, Ausfahrt Frankfurt/Oder/Mitte weiter B112 Richtung Guben, über Eisenhüttenstadt nach Neuzelle

Aus Richtung Cottbus: B 97 Richtung Guben, B 112 Richtung Eisenhüttenstadt

Aus Richtung Beeskow: B 246 bis Eisenhüttenstadt, B 112 Richtung Guben

Bahn:

Strecke Frankfurt/Oder – Cottbus stündliche Verbindung in beide Richtungen

Quellen