Petersplatz bei Sonnenuntergang

Vom Hügel zum Staat

Die Geschichte des Vatikan

Der Vatikan ist nicht nur der kleinste anerkannte Staat der Welt, er ist vor allem das Zentrum der römisch-katholischen Kirche. Hier ist der Sitz des Papstes und der römischen Kurie. In diesem Artikel stellen wir Ihnen die spannende und wechselhafte Geschichte des Kleinstaates vor.

Antike

Tatsächlich reicht die Geschichte des Vatikans bis ins 1. Jahrhundert zurück. Der Name bezog sich während der Zeit der Römischen Republik (509 v. Chr. bis 27 v. Chr.) auf einen Hügel in einer Ebene am Westufer des Flusses Tiber – dem »Mons Vaticanus« – auf dem sich heute der Petersplatz befindet. Aufgrund der Lage, war das Gebiet häufig von Überschwemmungen betroffen und daher weitestgehend unbewohnt. Erst die Mutter des römischen Kaisers Caligula, Agrippina die Ältere, ließ das Sumpfgebiet zwischen 14 v. Chr. und 33 n. Chr. trockenlegen und eine Gartenanlage erbauen. Dort wurde auf Befehl ihres Sohnes der »Circus Gai et Neronis« (auch »Circus Vaticanus« genannt) für Pferde- und Wagenrennen errichtet. Dieser wurde allerdings erst unter Kaiser Nero fertiggestellt (daher der Name). Den aus Ägypten importierten Obelisken des Circus können Sie übrigens noch heute auf dem Petersplatz bewundern.
Der Überlieferung nach, erlitten hier auch mehrere Christen, unter ihnen der heilige Petrus, ihr Martyrium. Da sich der Mons Vaticanus damals noch außerhalb der Stadtmauern Roms befand, wurden ihre sterblichen Überreste auch hier beigesetzt.

Der erste christliche römische Kaiser Konstantin ließ 318 n. Chr. schließlich über dem Grab des heiligen Petrus die konstantinische Basilika bauen, den sogenannten »alten Petersdom«. Dieser entwickelte sich schon bald darauf zu einem bedeutenden Pilgerziel. Die ersten Päpste residierten allerdings zunächst im Lateranpalast und später im Quirinalspalast, da sich die Basilika damals noch außerhalb der römischen Stadtmauern befand. 

Mittelalter

Exkurs: Pippinische Schenkung

Nach dem Zerfall des weströmischen Reiches um 475 n. Chr. verlor der Vatikan als christliches Zentrum zunehmend an weltlicher Macht und wurde verstärkt von den jeweils in Europa herrschenden politischen Machtverhältnissen abhängig.
Mitte des 8. Jahrhunderts sah sich Papst Stephan II. von den in Norditalien sesshaft gewordenen Langobarden bedroht, welche der Lehre des Arianismus anhingen. Daher schlug er dem fränkischen König Pippin III. im Jahr 753 n. Chr. einen Handel vor: Der Papst würde ihn salben und dadurch seine, unter umstrittenen Umständen erlangte, Königswürde legitimieren. Außerdem würden er und seine Söhne den Ehrentitel »Patricius Romanorum« erhalten. Dafür erhielte der Papst die eroberten Gebiete.
Pippin III. ging auf den Vorschlag ein, besiegte die Langobarden und übergab Stephan II. den Verwaltungsbezirk Rom, das Gebiet Ravenna, die Pentapolis (Rimini, Pesaro, Fano, Senigallia, Ancona) sowie Tuszien, Venetien, Istrien und die Herzogtümer Spoleto und Benevent.

Aufgrund der fehlenden Schenkungsurkunde und mangelnden seriösen Quellen außerhalb des Vatikans wird von der Geschichtsforschung heute angenommen, dass es die Pippinische Schenkung so nie gegeben hat.

Nach dem Zerfall des weströmischen Reiches um 475 n. Chr. verlor der Vatikan als christliches Zentrum zunehmend an weltlicher Macht und wurde verstärkt von den jeweils in Europa herrschenden politischen Machtverhältnissen abhängig. Durch das vergrößerte Herrschaftsgebiet nahm auch der weltliche Einfluss des Vatikans wieder zu. Die Päpste des Mittelalters und auch der frühen Neuzeit zeigten sich durchaus als machtbewusste Regenten. Sie krönten Kaiser und entsandten wenn nötig auch eigene Truppen.
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts nahm die Geltung des Königreichs Frankreich allerdings einen so großen Einfluss auf das Papsttum, dass sich der Sitz des Kirchenoberhauptes und der Kurie 1309 von Rom nach Avignon verlegte (avignonesisches Exil). Erst nach 70 Jahren 1377 kehrte der Papst wieder nach Rom zurück.
Im Zuge dessen zog das Domizil der Päpste im 15. Jahrhundert vom Lateranpalast zum Vatikanhügel, um den Machtanspruch der Kirche weiter zu legitimieren. Hierbei bezog (und bezieht) man sich auf das Matthäusevangelium: »Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen« (Matthäus 16,18).    
 
Im Jahr 1505 wurde, aufgrund von erheblicher Einsturzgefahr, auf Anweisung von Papst Julius II. die alte Petrus-Basilika abgerissen und an derselben Stelle der heutige Petersdom errichtet. Bis zum 17. Jahrhundert wurden die Paläste des Vatikans immer weiter bis zur heute größten Palastanlage der Welt ausgebaut.

Die Römische Frage

Als es König Viktor Emanuel II. 1870 gelang die verschiedenen italienischen Staaten zu einigen, sorgte dies für den Verlust der weltlichen Macht des Papstes. Die Länder des Kirchenstaates wurden von italienischen Truppen besetzt und der Vatikan ins Königreich Italien zwangseingegliedert. Der Konflikt über die Legitimität des Papsttums über italienische Gebiete zu herrschen wird historisch als »römische Frage« bezeichnet. Diese blieb lange Zeit ungelöst. Der König mischte sich zwar nicht die Angelegenheiten des Heiligen Stuhls ein, beschlagnahmte aber zahlreiche Kircheneigentümer außerhalb des Vatikans. Der Papst hingegen erkannte die italienische Herrschaft nicht an und weigerte sich das Gelände des Vatikans zu verlassen.
Dieser Konflikt konnte erst im Februar 1929 mit den sogenannten Lateranverträgen beendet werden. Durch diese erhielt die Vatikanstadt seine heutige Souveränität als eigenständiger Staat, die Päpste hingegen verzichteten auf ihre weltliche Macht und konzentrierten sich fortan ausschließlich auf religiöse Themen. Zudem entschädigte die italienische Regierung den Vatikan für die beschlagnahmten Besitztümer finanziell mit 1,75 Milliarden Lire.

Der Vatikan

Der Vatikan ist nicht nur der kleinste anerkannte Staat der Welt, er ist vor allem das…

weiterlesen...

Die Tradition der christlichen Wallfahrt

Zu den Traditionen im Leben eines religiösen Menschen gehört seit uralter Zeit der Brauch…

weiterlesen...

Ausflüge zu den schönsten Kirchen, Klöstern und Wallfahrtsorten

Entdecken Sie die faszinierende Welt der Klöster und Kirchen! Hier finden Sie ausgewählte…

weiterlesen...

Auf den Spuren Bonhoeffers in Rom

weiterlesen...

Wie bekomme ich eigentlich eine Audienz beim Papst?

weiterlesen...

Unsere Empfehlungen für Sie