Kerzen zum Gedenken an Verstorbene

Facetten der Trauer

Trauerrituale aus aller Welt

Der Tod ist ein unabänderlicher Bestandteil des Lebens. Natürlich geht jeder anders mit dem Verlust eines geliebten Menschen um, trotzdem haben sich im Laufe der Geschichte verschiedene Trauerrituale in der Welt etabliert. Einige dieser Trauerriten möchten wir Ihnen in diesem Artikel vorstellen.

Die viktorianische Post-Mortem-Fotografie

Die sogenannte Post-Mortem-Fotografie, auch Totenfotografie genannt, war eine gängige Form des Trauerprozesses der viktorianischen Epoche (1860-1910). Hierbei wurden die Menschen kurz nach ihrem Tod in ihre besten Gewänder gesteckt und (teils aufwendig positioniert) fotografiert. Die Totenfotografie diente vorrangig als Erinnerungsbild für die Hinterbliebenen. Da in der viktorianischen Zeit die Fotografie noch nicht zum Alltäglichen gehörte, waren die postmortal gefertigten Lichtbilder manchmal die einzigen Bilder des Verstorbenen. Dies galt vor allem bei Kindern. Diese wurden meist schlafend mit ihrem Lieblingsspielzeug oder zusammen mit den lebenden Eltern oder Geschwistern abgelichtet. Manchmal wurden die Toten sogar mit einem hölzernen Gestell stehend aufgerichtet oder auf ihre geschlossenen Lieder wurden künstliche Augen gemalt – Sie sollten möglichst so aussehen, als wären sie noch am Leben.
Zum Ende der Epoche entstand mit der Rückbesinnung auf die Totenruhe eine Ästhetisierung der Post-Mortem-Fotografie. Statt lebensnaher Authentizität gewannen nun arrangierte Aufbahrungsbilder zunehmend an Beliebtheit.
Zwischen 1940 und 1960 ging die Totenfotografie zunächst in Nordeuropa und den USA zurück bis sie schließlich fast vollständig verschwand.

Das chinesische Qingming-Fest

In China findet jährlich das Qingming-Fest (Helles-Licht-Fest) statt. An diesem Tag (i. d. R. der 4. oder 5. April) gedenken die Chinesen ihren Toten an den Gräbern. Diese werden gereinigt und man legt Gaben für die Ahnen (Lebensmittel, Blumen u. ä.) ab. Dabei verbrennen die Angehörigen Papiergeld und Räucherstäbchen. Ähnlich wie am katholischen Allerseelen beten die Chinesen an diesem Tag für ihre Vorfahren und bitten um deren Schutz.

Indigener Totenkult auf Sulawesi

Der Totenkult der indigenen Toraja auf der indonesischen Insel Sulawesi ist nicht nur außergewöhnlich, sondern auch ausgesprochen aufwendig und teuer. Die Bestattungszeremonie besteht aus einem mehrtägigen Fest, an dem die Verwandten und das gesamte Dorf teilnehmen. Traditionell werden an diesem Tag zahlreiche Wasserbüffel und Schweine geopfert – je mehr desto größer das Ansehen des Verstorbenen. Für eine solche Zeremonie müssen die Familien meist jahrelang sparen. So lange wird der einbalsamierte Leichnam im Haus der Familie aufgebahrt und gilt nicht als tot, sondern nur als »krank«. Dadurch ist der Tod für die Toraja kein abruptes Ende, sondern lässt allen Angehörigen genügend Zeit sich auf den Abschied vorzubereiten.

Das Fest selbst verläuft recht laut und fröhlich – es wird getanzt und gesungen, denn die Toraja betrachten den Tod als Höhepunkt des Lebens.
Nach dem Fest werden die Toten in kunstvollen Särgen in hochgelegenen Steingräbern, Höhlen oder auch freihängend an Felswänden beigesetzt. Mancherorts bewacht von hölzernen Puppen, welche Ebenbilder der Verstorbenen sind.

Doch damit sind die Verstorbenen nicht aus dem Leben der Familie verschwunden. Alle drei Jahre trifft sich die Verwandtschaft zum »Ma’nene«, der Reinigung der Toten. An diesem Tag wird der oder die Verstorbene exhumiert. Man wäscht die Toten und kleidet sie neu ein. Anschließend verbringt die Familie einige Stunden mit ihnen. Was für uns pietätlos erscheint ist für die Toraja ein Symbol der Nächstenliebe.

Feste Rituale - Japanische Trauerriten

Japanische Bestattungsrituale orientieren sich in der Regel am Buddhismus. Stirbt jemand zu Hause, verdecken die Angehörigen den Toten mit einem weißen Tuch und betten ihn mit dem Kopf nach Norden. Diese Himmelsrichtung gilt nach dem Prinzip der Geomatie als »unheilvolle Richtung« in Häusern. Damit der Verstorbene, dem Glauben nach, sich und die Hinterbliebenen vor bösen Geistern schützen kann, wird dem Toten häufig ein Messer auf die Brust gelegt.

Des Weiteren wird sogenannter »makura kazari« (Kissenschmuck) aufgestellt. Dies umfasst eine Schale Reis, ein Glas Wasser und andere Dinge, welche neben dem Kopf des Toten abgestellt werden, um ihn im Jenseits zu versorgen.

Am Abend vor der Beerdigung erfolgt schließlich »o-tsuya« – die Totenwache. Diese findet entweder zu Hause oder in einer Leichenhalle statt. In der heutigen Zeit ist es üblicher geworden, dass die Angehörigen nicht mehr die ganze Nacht bei dem Verstorbenen verbringen, sondern, in der Regel ab 19 Uhr, eine zwei- bis dreistündige »Halbwache« absolvieren.

Am Tag der Beerdigung wird der geschlossene Sarg auf einem blumengeschmückten Altar zusammen mit einem Bild des Toten aufgebahrt. Vor diesem verbrennen die Trauernden Weihrauch während ein buddhistischer Priester Sutras vorliest. Außerdem gibt dieser dem Toten noch Ratschläge mit auf den Weg ins Jenseits. Anschließend wird der Sarg zum Krematorium (in Japan sind Erdbestattungen eher seltener) gefahren.
Damit ist das Trauerritual in Japan aber noch nicht zu Ende. Nach der Einäscherung wird die Urne wieder mit nach Hause genommen und es werden in der darauffolgenden Trauerzeit meist Räucherstäbchen, Blumen oder Speisen davor abgelegt.
Eine Woche nach der Beerdigung erhält der Verstorbene vom Priester seinen »kamiyô«, seinen posthumen Namen, welchen er in der Welt der Geister verwenden kann. Dieser steht später auch auf der Gedenktafel auf dem Friedhof.
Am 94. Tag nach der Beisetzung ist schließlich das Ende der Trauer, »imiake«, gekommen. An diesem Tag wird die Urne schließlich zum Friedhof gebracht und an die Gäste der Trauerfeier oder der Totenwache werden kleine Erinnerungsgeschenke verteilt – meist ein weißes Seidentaschentuch oder reinigendes Salz.

Zusätzlich werden an O-Bon (dem japanischen Totenfest) im Sommer sowie am ersten, dritten, dreizehnten und dreiunddreißigsten Todestag Gedenkrituale durchgeführt. Die japanischen Totenriten enden somit erst nach 33 manchmal sogar erst 49 Jahren.

Día de los muertos - Mexikos Totenfest

Bunt geschmückte Straßen und fröhlich feiernde Menschen mit Masken oder Skelett-Bemalung – Was für Manchen auf den ersten Blick mehr wie eine Halloween-Party wirkt, ist in Wahrheit ein fester Bestandteil des mexikanischen Totenkultes. Vom 31. Oktober bis zum 2. November findet in Mexiko und heute in fast ganz Lateinamerika der »Día de los muertos«, der Tag der Toten statt. Ein lebensbejahendes Fest für Lebende und Tote – den man ist der Ansicht, dass die Verstorbenen in diesen Tagen zeitweise auf die Erde zurückkehren. Um sie gebührend willkommen zu heißen, finden Festumzüge und Partys statt, es wird getanzt und gesungen. Außerdem reinigen die Angehörigen die Gräber der Verstorbenen und schmücken sie mit bunten Blumen. Besonders die leuchtend orangenen Studentenblumen sind sehr beliebt – sie sollen den Toten am Ende des Festes wieder den Weg zu ihrer Ruhestätte zeigen.

Entwickelt hat sich der Día de los muertos aus den Totenritualen der Azteken und anderen indigenen Völkern, welche das Betrauern der Toten für respektlos hielten, viel mehr sei der Tod als ein Teil des Lebens zu verstehen. So galten die Toten für sie immer noch als Teil der Gemeinschaft, welche durch Erinnerungen lebendig gehalten wurden. Heute ist der Tag der Toten eine Verschmelzung dieser Riten und den christlichen Festen Allerheiligen und Allerseelen.

Ein wichtiger Bestandteil des Día de los muertos sind die »La Ofrenda« (Altäre). Diese dienen keineswegs der Anbetung, sondern als Willkommensgruß an die zurückgekehrten Verstorbenen. Die La Ofrenda werden meist zu Hause oder auf dem Friedhof aufgebaut und mit verschieden Speisen, Familienfotos und einer Kerze für jeden Toten verziert. Des Weiteren werden Räucherkerzen aus Baumharz entzündet, um den Altarbereich zu reinigen und Gebete einfacherer zu übertragen.

Der mexikanische Tag der Toten wurde 2008 von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit ernannt.

Begleitet bis zum Schluss - Jüdische Trauerrituale

Jüdische Totenrituale folgen strengen Vorschriften und beginnen, nach Möglichkeit, schon vor dem Eintreten des Todes. Wenn ein baldiges Ableben, zum Beispiel aufgrund einer schweren Krankheit, abzusehen ist, bereitet sich der Sterbende im Kreis seiner Familie spirituell auf den Tod vor. Dies geschieht durch traditionelle Gebete, unter anderen dem jüdischen Schuldbekenntnis, Vidui genannt, und der Segnung der eigenen Kinder. Gemäß der Tradition darf der Sterbende zu keiner Zeit allein gelassen werden. Denn das jüdische Wort für Bestattung heißt Levaya und bedeutet »begleiten«. Dieses Prinzip durchzieht den ganzen Trauerprozess.

Sobald der Tod eintritt, wird der Verstorbene auf den Boden gelegt, da er gemäß der Genesis wieder zu Erde wird. Nach dem Ablegen, darf der Körper nicht mehr berührt werden. Die Angehörigen entzünden Kerzen, welche symbolisch für die Seele des Toten stehen und öffnen ein Fenster, um dieser den Übergang in den Himmel zu erleichtern. Auch in dieser Zeit wird der Verstorbene immer von Familienmitgliedern, Menschen aus der Gemeinde oder Mitarbeitern des Bestattungsinstitutes bewacht, welche Psalmen oder andere Texte der Tora lesen. Diese Totenwache wird »Schmira« genannt. Anschließend wird der Tote gewaschen und anderweitig hygienisch versorgt. Anschließend erfolgt die spirituelle Reinigung durch das Baden in einem Mikewa (traditionelles jüdisches Tauchbad) oder dem Übergießen mit Wasser. Danach wird der Verstorbene mit einem traditionellen Totengewand eingekleidet. Diese Aufgaben werden in der Regel von der Gemeinschaft der Chevra Kadischa (heilige Bruderschaft) übernommen.

Während der Trauerfeier wird der geschlossene Sarg auf ein Podest oder eine andere erhöhte Position gestellt, damit er für alle Gäste gut sichtbar ist. Neben der Lesung von geistlichen Texten wird auch eine Lobrede über den Verstorbenen gehalten, um seine positiven Eigenschaften hervorzuheben. Nach der Feier erfolgt ein stiller Trauerzug zum Friedhof, bei welchem die nächsten Familienangehörigen direkt hinter dem Sarg laufen, gefolgt von Freunden, Kollegen und Gemeindemitgliedern und anderen, dem Toten nahe stehenden Personen.

Am offenen Grab steht ein Behälter mit Erde mit einer kleinen Schaufel. Mit dieser werfen die Angehörigen ein bis drei Mal Erde in das Grab, um sich zu verabschieden. Anschließend wird die Schaufel zurückgesteckt. Denn für die Juden ist das selbstständige Ziehen der Schaufel keine Option, sonder eine Mizwa, eine religiöse Pflicht. Nach der Bestattung wäscht sich jeder Trauernde beim Verlassen des Friedhofes die Hände ohne sie abzutrocknen. So sollen die Erinnerungen an den Toten nicht weggewischt, sondern in das Reich der Lebenden übergehen.

Übrigens sieht die traditionelle jüdische Beisetzung eine Bestattung in einem Leinentuch vor. Dies kollidiert jedoch mit der deutschen Sargpflicht. Daher verwendet man meist schlichte Särge aus weichem Holz, die keine Metallverschläge aufweisen. Dies soll den Verwesungsprozess beschleunigen. Auch sind jüdische Gräber meist schlicht gehalten. Statt Blumen ist es üblich bei jedem Besuch einen kleinen Stein auf den Grabstein zu legen.

Nach der Beerdigung folgt die Shiwa genannte Trauerwoche der Familie. In dieser Zeit sollen sie nicht nach draußen gehen, nicht kochen und putzen, sich nicht duschen, rasieren oder schminken. Auch das Lesen in der Tora ist während der Shiwa untersagt. Die Angehörigen sollen sich vollkommen auf die Trauerbewältigung konzentrieren. Die Familie wird in diesen sieben Tagen von Freunden und Verwandten unterstützt, welche für sie die täglichen Aufgaben übernimmt und ihnen Trost spendet. Nach Ablauf der Trauerwoche ist es Tradition, dass die Familie gemeinsam nach draußen geht und einen Spaziergang macht – Ein Symbol für die Rückkehr aus der Shiwa.

 

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